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Balus Geschichte






Mein Mann und ich haben lange überlegt, ob und in welcher Form wir die Geschichte von Balu schreiben und veröffentlichen sollen.
Ich habe mich dafür entschieden, und zwar aus dem Grund, um den Tierfreunden und vielleicht auch den Kritikern zu zeigen, dass Tierschützer nicht immer nur, wie oft beschrieben, Tierhändler und profitsüchtig sind, sondern dass uns das einzelne Tier sehr am Herzen liegt.
Lesen Sie die Emotionale Geschichte von unserem Balu ...
Balu wurde von einer Tierschützerin in Rumänien gefunden. Er war anscheinend an einem Stachelhalsband vor einem Supermarkt angebunden, gerade mal zwischen 3 und 4 Monate alt.
Das Stachelband war eingewachsen, der Welpe jammerte vor Schmerzen. Dennoch suchte er zu Passanten immer wieder die Aufmerksamkeit und Fürsorge, doch die meisten verpassten ihm noch Tritte. Diese Tierfreundin kontaktierte eine Freundin aus Regensburg von mir, und diese wusste genau das ich da nicht mehr schlafen konnte.
Also wurde der Entschluss gefasst, Balu da irgendwie weg zu bekommen und sofort zu einem Tierarzt zu bringen, um dieses doofe Stachelband abzunehmen.
Dies tat sie dann auch und Balu wurde medizinisch versorgt, gleich geimpft und reisefertig gemacht. Er erfuhr das erste Mal in seinem Leben was es heißt, dass Menschen lieb sein können und gar keine so großen Bestien sind.
Diese Tierschützerin fuhr dann nach Regensburg und kontaktierte uns wann wir ihn abholen können. Wir waren alle gespannt auf ihn und ich freute mich wie verrückt, das wir ihm nun zeigen konnten, wie schön das Leben doch sein soll. Doch meine Vorfreude wurde ganz schnell getrübt. Diese Frau hatte nicht einen Balu dabei, sondern 26 Hunde.
Sie hatte sie bei ihrem Freund auf dem Gelände (ein Schrottplatz). Mein Mann und ich waren so geschockt, vor allem als wir die Tiere sahen. Die 3 kleinsten Welpen hatte sie vor uns versteckt, die wollte sie behalten und hat diese zu einer anscheinend tollen Freundin gebracht. Oh Gott.
Nach langen Diskussionen fuhr sie mit mir zu dieser Freundin und ich konnte die weiteren 3 schwachen und total abgemagerten Welpen von dort mitnehmen.
Auf dem Grundstück zurück, schnappte ich mir meinen Balu, die 3 kleinsten und 6 Dackelmischlingswelpen. Irgendwie total am Boden zerstört und kopflos, auch wahrscheinlich im nach hinein ohne Verstand. Aber Frau Schröder und ich versuchten an dem Tag schon alle Tierheime in der Umgebung zu bitten, doch ein paar Tiere aufzunehmen. Vergebens, den diese Frau war für ihre Unvernunft schon dort bekannt. Nur bei mir nicht :-((
Nachts um 23.00 Uhr fuhren wir dann wieder Richtung Heimat und kontaktierten unsere Frau Schröder, die sich gleich bereit erklärte, 4 von den 10 aufzunehmen, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt nicht einmal wussten, wie viele Rüden, wie viele Hündinnen, wie sie aussehen etc. - Dies war uns egal, Hauptsache gerettet.
Irgendwann gegen 2 Uhr nachts waren wir dann zu Hause.
Balu kommt zu einer guten Bekannten von mir, die 2 Hunde hat, in Pflege. Sie holte ihn am nächsten Tag nach dem Tierarztbesuch bei uns ab. Dort kamen übrigens sofort morgens alle 10 Hunde hin, wurden untersucht, entwurmt, bekamen die 2. Impfung und gechipt.
Mikan und Gismo hatte es schwerer erwischt. Mikan hatte eine schwere Lungenentzündung und kaum Überlebenschancen, Gismo´s Knochen waren nicht in der dafür vorgesehenen Gelenkpfanne, wahrscheinlich aufgrund von schwerer körperlichen Misshandlung.
(Inzwischen sind beides ganz ganz tolle Junghunde und kerngesund)
Balu hatte zwar äußerlich noch Verletzungen, aber die Seelischen verarbeitete er immer mehr und taute in seiner Pflegestelle sehr schnell auf. Er liebte seine Menschen, spielte wie ein wilder, vertrug sich mit allen Hunden, mit Kindern und Katzen. Er durfte jeden morgen mit zur Arbeit und war überall dabei. Doch im Dezember fing er an, dass er an der Leine alles anbellte und kaum zu halten war, immer mehr Panik vor alltäglichen Dingen bekam und grundlos auf eine Arbeitskollegin der Pflegestelle los ging, obwohl er diese kannte und auch mochte.
Die Pflegestelle konnte nervlich mit ihm nicht mehr und gab auf, also übernahmen Gerd und ich den Balu, denn wir wollten ihn retten, mit allen Konsequenzen.
Und als wir Balu zu uns nahmen kamen diese prompt. Es zog eine lange Spur hinter sich her, wir verabschiedeten uns von anderen Vereinen um für ihn da zu sein. Denn egal ob ein Hund von Deutschland, Rumänien, Spanien, Frankreich oder sonst woher kommt. Alle haben das gleiche Recht geliebt zu werden und egal wer ihn gerettet hat.
Dies mussten wir erst einmal verkraften und schlucken und das war auch der Zeitpunkt, an dem mein Mann und ich uns entschieden, selber etwas auf die Beine zu stellen. Wahrscheinlich müssen wir dabei noch oft den Kopf hinhauen, Beschimpfungen ertragen, noch mehr Freunde verlieren und uns dumm anmachen lassen, aber egal. Durch den Tierschutz haben wir auch viele liebe Menschen kennen gelernt, die wir gar nicht mehr missen möchten.
Balu kam wie gesagt zu uns und der Stress ging los. Wir mussten ihm erst einmal klar sagen, dass wir hier die Rudelführer sind und wir auf ihn aufpassen und uns sehr gut selber beschützen können. Wir mussten ihm quasi seine Aufgaben die er sich in den Kopf setzte wegnehmen und durch neue ersetzten.
Faszinierend für uns war, dass er ohne Leine der Traumhund schlecht hin ist. Fahrräder, Walker, Autos, Menschen, andere Hunde, alles ist relaxed und hat keine Probleme. Er kommt mit allen Hunden und Situationen zurecht, aber wie gesagt, ohne Leine...
An der Leine hatte er einen Aggressionsradius von 2-5 Metern, alles war Gefahr und Bedrohung. Balu reagierte enorm mit Stress und Aggression. Umso mehr ich versuchte Kontakt zu ihm aufzubauen, umso höher war sein Stressverhalten.
Hm, also müssen wir lernen. Wir kontaktierten die Hundeschule Cornelson, die einen wahnsinnig guten Ruf hat, gerade solchen Hunden in ein neues Leben zu helfen.
Und eine Hundestunde und Balu hatte sich um 180 Grad gedreht.
Er kann stressfrei an der Leine laufen, toleriert alle Fahrräder,Walker - alles. Er zieht nicht mehr, sondern läuft Fuß, beobachtet dabei seinen Menschen und überlässt ihm die Führung.
Wir haben selber dadurch viel gelernt. Balu genießt seine Trainingsstunden und wird jeden Tag ein Stück ein Traumhund mehr.
Er lernt so schnell, er setzt alles was man von ihm will so derartig schnell um, dass wir alle jedes Mal ins Staunen kommen.
Inzwischen ist er ein richtiger Begleithund, zwar immer noch mit kleinen Ecken und Kanten, aber diese lernt er auch noch.
Er kann an der Leine laufen, kann überall hin mitgenommen werden, verhält sich sehr ruhig. ( Außer im Auto - nächster Übungsschritt).
Kuscheln kann er auf Kommando, nicht weil er böse dabei ist, nein, weil er sonst seine Menschen so „verschlabbert“, dass man sich wie nach 'ner Dusche vorkommt. Nun kommt Balu aufs Sofa und wehe er hört das Wort Schmusen, dann ist es mit seiner Beherrschung vorbei.*Und wir sind klatschnass.
Er hat gelernt, das Menschen toll sind, und ihn lieben, ihm Verantwortung abnehmen.
Dies brauchte er und vor allem denke ich oft, Gerd und ich auch. Wir hatten so viele Pflegehunde und kamen mit allen zurecht, bis auf Balu am Anfang. Und nun weiß ich auch, man darf nicht denken man weiß alles uns beherrscht alles, nein, jeder Hund ist ein Individuum, ein neues Abenteuer und eine neue Lehrstunde, auf das man sich einlassen muss.
Oft heulte ich mich nachts in den Schlaf, stritt mit meinem Mann, wollte einfach nicht mehr. Ich jammerte unserer Sonja und der Annette die Ohren voll und war oft kraftlos. Aber eines trieb mich und Gerd gerade bei ihm an, seine treuherzigen Augen, seine liebevolle Art wie er mit einem kleinen Katzenspielzeug umging, wie er sich stundenlang mit sich beschäftigen konnte, und vor allem, wie er immer versuchte mit seinem Blick zu sagen, Mama ich will lernen ich kann nichts dafür.
Balu war der, der uns eine neue Perspektive in unserem Leben auf den Bezug des Tierschutzes gab, ein Hund der uns vor vielem gerettet hat. Vor dem, dass man als Mensch alles aus einem Schubladenblick sieht und immer nach Schema F handelt, vor der Verschlossenheit anderen Menschen gegenüber. Vor eventueller Hochnäsigkeit ( das waren wir nie) die vielleicht kommt, weil man alles besser weiß, wie andere, irgendwann das Gefühl vielleicht kommt „nur wir handeln richtig“. Er zeigte jeden Tag wie sehr es sich lohnt, zu kämpfen, mit allen Höhen und Tiefen, denn im Endeffekt war er derjenige, der uns zeigte, wie man sich benimmt und lernt, nur kann er es nur auf seine Art ausdrücken.
Unser größtes Anliegen ist es deshalb, ganz tief in unserem Herzen, dass Balu seinen Frieden findet, mit seinen neuen Menschen. Denn eines versprechen wir aus tiefstem Herzen. Die Familie , die ihn als Mitglied bei sich haben darf, wird lebenslang sehr glücklich mit ihm sein, denn einen treueren, intelligenteren und tolleren Lebensgefährten wie ihn findet man ganz, ganz selten. Doch wenn man einem Tier ins Herz und in die Augen schaut, findet man dies in vielleicht anderer Art und Weise, aber immer mit dem gleichen Ergebnis. Ein Tier ist seinem Menschen treu ergeben und verlässt ihn nie im Leben.
Diese Arbeit geschah na klar nicht an einem Tag, sondern dauert noch an und läuft jeden Tag. Aber wir wollten hier nur einmal deutlich machen, dass wir nicht versuchen, Tiere in Massen zu vermitteln, sondern ganz individuell.
Wenn ein Tier nun einmal länger braucht, bis es für seine neuen Familie bereit ist, dann braucht es länger. Der Hund der gerettet wurde wird individuell betreut, und wenn er das große Los seiner Familie gezogen hat, dann hat ein anderer Recht auf eine Chance, egal aus welchem Land er kommt, egal wer ihn gerettet hat, egal wie er hierher kam, das einzige was zählt ist er selber.
Auch darf man nicht denken, das Tierschützer Mengen an Geld verdienen, nein das Gegenteil.
Denn momentan bekomme ich sehr vieles mit, da mein Mann und ich noch im Geschehen des Tierschutzes stille Beobachter sind und auch viel über die Kritiken lesen. Denn das soll mein Ziel werden. Diese Kritiken aus dem Weg zu räumen, nicht mit dummen Gerede sondern mit Beispielen und Taten, an denen wir unsere Arbeit deutlich machen können.
Gerd und ich haben ein Projekt in Planung und die Umsetzung läuft, aber noch werde ich es nicht veröffentlichen.
Wichtig ist erst einmal Balu, dass er eine Familie findet, das unsere Eloise ein Traumzuhause bekommt und unsere Nessy ( alle unter Vermittlung), dann kommt das Nächste.
Wir wollten hier mal noch ganz kurz anfügen, das außer der Arbeit viel zusammenkommt, wie im Beispiel Balu, und zwar an Kosten.
Balu's tierärztliche Behandlungen ca. 500 Euro
Balu`s Kastration 170 Euro
Balus Hundeschule ca. 500 Euro
( Balu brauchte sehr viel Einzelunterricht und ist nicht mit einer „normalen“ Ausbildung zu vergleichen )
Ganz davon abgesehen Hundefutter, unzählige Leinen und Geschirre die er am Anfang aufgebraucht hat, Spielsachen die einmal Spielsachen waren, viele Maschinen Wäsche, hunderte von Kilometern mit dem Auto. So jetzt sind wir bei fast 2000,- € ( man gönnt sich ja sonst nichts )
Was ist dagegen eine Vermittlungsgebühr? Da müssten schon 8 Hunde ohne Probleme vermittelt werden – aber Hunde ohne Probleme sind die Ausnahme!
Eine Sache wie die mit Balu oder egal welchem Hund eines Vereins kann nur getragen werden, durch Spender, durch die Pflegestellen und die Vereinsmitglieder, denn anders ist dies niemals zu bewältigen.
Egal wie, Balu ist jeden Cent Wert, jede Minute Arbeit haben wir gerne gemacht und tun dies auch für jeden anderen Hund, egal aus welchem Land, egal wer ihn gerettet hat, wir möchten nur eines...............Hunde schützen !
